Achtsamer Zugang zur Natur

Die Alten wussten, dass das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird. Sie wussten, dass mangelnde Ehrfurcht, Wertschätzung vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht und Wertschätzung vor den Menschen absterben läßt. Deshalb war der Einfluss der Natur, der die jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.

 

Luther Standing Bear, Lakota, 1868-1939 

Kräuterheilkunde

Aus den Ressourcen der Natur Kraft und innere Ruhe schöpfen

Herz in der Natur

Es geht um Anhalten, Luft holen, Energie sammeln und Entspannen.

Aber auch darum, den eigenen Standort zu bestimmen, neu zu bewerten, umzudenken und neue Wege zu gehen.

Vor allem aber geht es immer ums Schmecken, Riechen, Fühlen, Spüren, Wahrnehmen, Atmen, Sehen.

Eine große Hilfe dabei ist die Natur, in welche wir bei Wanderungen eintauchen. Das Erleben der traditionellen heimischen Kräuterheilkunde ist eine tragende Säule für einen umfassenden, ganzheitlichen Zugang zu Leib und Seele.

 

Heilkräuter sind Geschenke des Lebens und der Schöpfung und werden zu heilsamen Kostbarkeiten, wenn sie mit Ehrfurcht und Liebe angebaut, gepflegt, gesammelt und verarbeitet werden.

 

Gesundheit durch die Natur

In der heilsamen Begegnung mit der Natur lehren Heilkräuter den Menschen auf sehr sensible Weise mit den Urelementen und Urkräften der Schöpfung umzugehen. Die Pflanzen nehmen die gut ausbalancierten Urelemente der Natur in sich auf und geben sie als Heilmittel an den Menschen weiter. Im bewussten Umgang und Zugang zur Natur soll der Mensch lernen, an Leib und Seele gesund zu bleiben, oder zu werden.

Heilpflanzen in ihrer natürlichen Umgebung zu erleben und zu erlernen, vermitteln einen direkten Bezug zu den Ordnungsprinzipien der Natur und geben dem gestressten Menschen Halt im „Hier und Jetzt“ mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen. Oftmals gilt es erst wieder zu lernen, wahrzunehmen, was die Natur und die Schöpfung ist und das wir als Mensch Teil dessen sind, bzw. die Äußere Natur der Inneren gleich kommt. Die Verbundenheit mit der Natur und die achtsame Wahrnehmung ihrer Abläufe werden als heilsam für die Leiden und Erkrankungen der Menschen unserer Gesellschaft erlebt. Heilkräuter geben die Kraft, heilende Veränderungen durchzuführen und zu einem ausgewogenen Lebensrhythmus zurückzufinden. In der intensiven oder kontemplativen Naturerfahrung und im bewussten Erleben ihrer Rhythmen liegt oft die Grundlage für weichenstellende Selbsterfahrung und Selbstentfaltung. In dieser bewussten Achtsamkeit geht es nicht nur um die Natur „da draußen“, sondern um die um uns und somit in uns und um die Auswirkungen in unseren Beziehungen, zu uns persönlich, zu unserem Umfeld und zu unseren Mitmenschen. 

 

 

Wesen der Heilkräuter

Dazu gehört auch, das Wesen der Heilpflanzen und ihre tiefe Bedeutung zu kennen, um die ihnen innewohnenden Heilkräfte für den ganzheitlichen Heilprozess und ihre Wirksamkeit begreifen zu lernen.

Kräuter anzubauen, sie zu pflegen, zu ernten, zu trocknen und zu Tees, Salben oder Tinkturen weiterzuverarbeiten, ist ein zutiefst spiritueller Vorgang, der bewusst und achtsam gestaltet, eine immense Kraftquelle für die Gesundung an Leib und Seele darstellen kann. Daher ist es nach alter Tradition wichtig, nicht nur die biologisch-medizinische Wirkweise zu kennen, sondern auch zu wissen, dass jede Pflanze, wie auch ihre Verarbeitung, eine spirituelle, d.h. ganzheitliche Bedeutung hat und einen sorgsamen Umgang erfordert.

 

In seine eigene Natur blicken zu können, ist nicht die Frucht langen Studierens oder Forschens. Es handelt sich vielmehr um eine tiefe Einsicht, die sich daraus ergibt, dass man im Herzen der Wirklichkeit, nämlich in voller Achtsamkeit lebt. Wir schauen in unsere eigene Natur, indem wir Licht in jede Handlung unseres Daseins bringen, nämlich auf solche Weise leben, dass wir die ganze Zeit voll achtsam sind.

 

Das Wunder der Achtsamkeit

Thich Nhat Hanh